MIND & HEART 

Mentales und emotionales Bewusstsein im Living Do

Blog-Relaunch wegen Corona Virus

 

2014 begann ich den Living Do-Blog. Drei Jahre später stellte ich ihn ein. Der Grund für den Abbruch war die Erkenntnis:

In der Spiritualität ist alles gesagt.

Das ist heute immer noch so; die Aussage des letzten Posts Kohelet — Nichts Neues unter der Sonne  stimmt nach wie vor:

Es ist ,alles' gesagt, aber: Es ist nicht ,von allen' gehört.

,Von allen' meint logischerweise die spirituellen Mitstreiter und Wegbegleiter des Living Do: Die Living Dojin.

 

Living Do

Was hat es mit diesem „lebendigen Weg“ oder mit "den Weg leben" auf sich? Was sind die Inhalte? Vor allem: Wie können diese im Alltag gelebt werden? Gerade jetzt in dieser Zeit, in der durch die Corona-Krise bislang nicht gekannte Lebensumstände heraufbeschwört wurden und werden.

 

Living Do ist eine geistige Einstellung. Eine Mentalität. Das Konzept ist Synergie und Reduktion. Ihr Nährboden ist Philosophie/Religion(en), Psychologie und Soziologie.

Neue Posts

Ich werde auf dieser Seite MIND & HEART der Living Dojo-Homepage ab nächster Woche wöchentlich einen Post über den Kern des Living Do — Die 8 Triaden mit den 24 Aspekten — einstellen. Dabei werde ich die Aspekte vorziehen, die aktuell am bedeutsamsten sind.

 

Für den ersten Sonntag der historischen Ausgangssperre (22.03.2020) möchte ich den Post "Heart of Gold" vom 25.02.2016 hier noch einmal im Originaltext einstellen.

Die Wahl für diesen Post kommt nicht von ungefähr; inwieweit meine damaligen Worte auf die aktuelle Situation, die Art und Weise wie sich (die) Menschen verhalten, zutreffen, mag sich dem geneigten Leser selbst erschließen …

 > Dem Originalpost ist übrigens noch der Link zu einer Performance des Songs von Neil Young angefügt. Diesen anrührenden Song anzuhören und auf sich wirken zu lassen, sei jedem ans Herz gelegt.

 

 

 

 

Der Folksong Heart of Gold wurde 1971 vom kanadischen Singer-Songwriter Neil Young aufgenommen. Er hat einen recht kurzen Text. Doch der besticht umso mehr durch seine Botschaft. Und die hat viel mit Living Do zu tun.


Inhalt

In Heart of Gold geht es um eine Person, die sich auf die Suche nach einem „goldenen Herzen“ begibt. Sie selbst will „leben und geben“ und muss sich eingestehen, dass ihr das nicht wie von ihr ersehnt, gelingt. Ihre Sehnsucht lässt sie Strapazen ertragen und weite Reisen unternehmen. Sie altert, aber sie gibt die Suche nicht auf.


Text

I want to live, I want to give
I've been a miner for a heart of gold
It's these expressions I never give
That keep me searching for a heart of gold
And I'm getting old
I've been to Hollywood, I've been to Redwood
I crossed the ocean for a heart of gold
I've been in my mind, it's such a fine line
that keeps me searching for a heart of gold
And I'm getting old (…)

 

Zeitlose Metaphern 

Der Songtext von Heart of Gold kann so kurzgehalten sein, weil er nicht auserzählt (wie zum Beispiel "Hurricane" von Bob Dylan), sondern von der Metaphorik lebt. In wenigen allegorischen Worten hat Neil Young seine Sehnsucht nach einem Leben in Liebe ausgedrückt. Dies gelang ihm so gut, dass sein Lied auch noch ein halbes Jahrhundert danach von Menschen gehört und gecovert wird, die damals noch nicht einmal auf der Welt waren. Der Song ist zeitlos, weil er den Archetypus der Menschheit schlechthin — die Sehnsucht nach Glück und Liebe — einbindet; dieser wandelt sich nicht.


Ja oder Nein?

Gibt es überhaupt Menschen mit goldenem Herzen? Oder jagt Neil Young einer Idealvorstellung hinterher? Begibt er sich auf eine aussichtslose Suche? Hat er womöglich an den falschen Orten (Hollywood …) gesucht?

Es gibt Leute, die fest an Menschen mit einem goldenen Herzen glauben. Sie betonen dazu, diese seien leider in der Minderzahl. Sie führen Menschen an, die aufgehen in der Arbeit für die Familie, in der Sozialarbeit, im Pflegedienst, im Hilfsdient, in der Seelsorge, ...

Ebenso gibt es Leute, die behaupten, die Welt sei von Grund auf schlecht, und es gäbe diese Menschen nicht. Sie nennen Männer und Frauen im Zusammenhang mit Waffen-, Tier-, Drogen-, ja Menschenhandel, mit Prostitution, gar Krieg. 

Ja, es gibt sie 

Aus meiner Lebenserfahrung und langjährigen Berufspraxis weiß ich: Es gibt sie sehr wohl, die Goldherzmenschen. Sie sind überaus zahlreich. Sie sind über die ganze Erde verteilt. Sie sind äußerst aktiv und strotzen vor Energie, wenn es gilt die Welt zu erforschen. Sie sind absolut unvoreingenommen, sie trennen nicht zwischen Nationen und Glauben, zwischen Gut und Böse.  Sie entsprechen nahezu dem Idealtypus des Liebenden, so wie es Paulus in seinem ersten Korintherbrief (1 Kor 13,1–13) schreibt:

 

4Die Liebe ist langmütig, /die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf. 5Sie handelt nicht ungehörig, /sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach. 6Sie freut sich nicht über das Unrecht, /sondern freut sich an der Wahrheit. 7Sie erträgt alles, /glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand.


Aber ...

Das hört sich alles sehr schön an. Doch es folgt das große Aber: Die Goldherzmenschen leiden allesamt an einer fast unheilbaren Krankheit. Und: Sie sind hilflos und vollkommen abhängig. Die Krankheit nimmt fatalerweise an Schwere in jenem Maß zu, wie sich die Abhängigkeit wandelt.

Diese Goldherzmenschen sind einer temporären Spezies zugehörig, die allgemein unter einem einfachen Sammelbegriff gefasst werden: Kind, oder Kinder im Plural. Ihre Krankheit heißt Adoleszenz, beziehungsweise Postadoleszenz und geht unmittelbar einher mit der flächendeckenden Dauerquarantäne Sozialisation. Sie sind abhängig von jenen, die selbst einmal dieser Spezies angehörten, jedoch durch die Mutation zum Erwachsenen, die Goldherzeigenschaften nur noch rudimentär leben können.

Jeder Mensch kommt mit einem goldenen Herzen auf die Welt. Und er trägt es nur eine kurze Weile in sich; so lange, bis schon recht bald die schleichende Inkubation eintritt, bis die Welt und das Leben mit den Viren der Erziehung und der Erfahrung in all ihren Formen das flüssige, pulsierende Gold in eiserne Zahnräder, Gestänge und Schrauben wandelt. Das Herz aus Gold wird schleichend zu einem eisernen Maschinenherzen. Das schlägt fortan in seiner Brust, unermüdlich, und verrichtet sein schicksalsträchtiges Werk.  


Das Werk des dunklen Maschinenherzens

Dieses Werk ist wie schon Laotze wusste, der Polarität anheimgegeben. Das Prinzip des Yin und Yang trägt sein Gesicht in allen Facetten zur Schau. So steht das Werk des dunklen Maschinenherzens in krassem Gegensatz zu dem des hellen, geschweige dem des Goldherzens.

Das dunkle Maschinenherz lässt uns zum Egomanen werden, der sich nicht für die Gedanken und Gefühle des Gegenübers interessiert, sondern nur sich selbst sieht und sein eigenes scheinbares Vorankommen. Belege dafür gibt es so zahlreiche, dass ich hier nur einige wenige nennen möchte. Diese Aufzählung ist bewusst plakativ gestaltet, dennoch ist sie nicht zu leugnen, sie ist tägliche Realität.

Es ist das dunkle Maschinenherz, das Trinken panscht und Essen streckt, das Schrott und Müll verklappt und Gewässer mit Chemikalien vergiftet. Das Tiere fängt, in Gefangenschaft züchtet, mästet und schlachtet, dann das Gezüchtete, Gemästete, Geschlachtete in unersättlicher Gier in sich hineinfrisst und dabei selbst zum menschgewordenen Tier wird.

Es ist das dunkle Maschinenherz, das Speichel leckt, übervorteilt, fälscht, lügt und betrügt. Das sich das Jawort gibt, einander instrumentalisiert und abhängig macht; das sich auseinanderlebt, lauthals schreit und schlägt, das sich Treue schwört und ehebricht, und — das tiefste Dunkel — das Kinder zeugt und gebährt, und die gezeugten und geborenen misshandelt und missbraucht.

Hierzu die beiden Spielfilme Operation Zucker. Noch zu sehen bis 19.4., bzw. 26.4.2016 in der ARD-Mediathek.

Es ist das dunkle Maschinenherz, das lästert, stichelt, spottet und verhöhnt. Das säuft und grölt und randaliert, Streit sucht und prügelt. Das bespitzelt, denunziert, vor Gericht geht, verurteilt, bestraft und Strafen absitzt, und dort noch mehr Hass schürt und Gewalt ausübt. Das nicht nur Pläne schmiedet, sondern Schwerter und Streitäxte, das raubt, brandschatzt und plündert, das steinigt, Hände und Häupter abschlägt, Frauen vergewaltigt und Menschen quält und foltert …

 

Das Werk des hellen Maschinenherzens

Nicht alles was uns widerfährt und widerfahren ist, ist schlecht. Wohl und Glück dem Träger eines hellen Maschinenherzens, dem die Welt und das Leben gut gesonnen war, der viel Verständnis, Zuneigung und Liebe erfahren hat, und sich etwas Gold im Maschinenherzen bewahren konnte. Und Respekt und Anerkennung jenem, der erwacht und bewusst wird, der sich ändert und in mühevoller Kleinarbeit und unter großer Kraftanstrengung die eisernen Zahnräder in goldene austauscht, ein dunkles Maschinenherz in ein helles Maschinenherz verwandelt.

 

Es ist das helle Maschinenherz, das singt, tanzt und musiziert. Das zeichnet, malt und entwirft. Das Liebesbriefe zu Papier bringt und Gedichte verfasst. Das lehrt, hilft und lobt. Das Wahrheit spricht, Rat gibt und Beistand leistet. Das zuhört, versteht und in den Arm nimmt. Das Trost, Kleidung, Geld und Blut spendet. Das Wunden behandelt, Menschen versorgt und Leben rettet. Das Menschen, Tiere und die Umwelt schützt. Das Freude hat am Dasein, an der Arbeit, am Geben und Nehmen. Das sich gesund hält, Maß nimmt und Ethik lebt ...

 

Es ist das immer heller und goldener werdende Maschinenherz, das auf der Suche ist nach dem goldenen Herzen in sich selbst und in dem anderen, das alt wird und währenddessen sich selbst wandelt, zu einem liebenden, ja, einem Heart of Gold.


Je früher, desto besser

Neil Young war 26 als er diesen Song geschrieben hat; seine Suche mag schon früher angefangen haben. Was bedeutet, dass man nicht erst alt geworden sein und zahllose Bücher gelesen, Seminare besucht, Filme gesehen, Lieder gehört, Gedichte analysiert, Diskussionen geführt, Streitgespräche ausgefochten, ... haben muss, um mit der Suche zu beginnen. Je früher man sich auf die Suche begibt, desto größer ist die Chance fündig zu werden — oder selbst gefunden zu werden als ein Mensch mit einem Herzen aus Gold.

https://livingdo.blogspot.com/2016/02/blog-post.html

Heart of Gold

Post 2, 01.04.2020, 2. Woche Corona-Ausgangsbeschränkung

T H I N K !

Die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stellen nicht nur eine für die meisten nie dagewesene Existenzbedrohung dar, durch sie geraten unsere sozialen Strukturen beträchtlich ins Schwanken.

Beides kann, je nachdem wie lange und wie tief sie noch ausgeweitet werden, psycho-soziologisch gravierende Erscheinungen bei jenem hervorrufen, der ihnen zum Opfer fällt und ihnen nichts entgegenzusetzen weiß.*

 

Zwang der Krise

Die Corona-Krise zwingt uns, wie jede Krise, zu neuem Handeln.

Die Schwierigkeit liegt nicht im Handeln als eine Form des Tuns an sich — wir ,machen und tun‘ ständig ohnehin (mehr oder weniger bewusst) etwas — sie liegt im Attribut „neuem“. Als Gewohnheitstiere haben wir gerade hier unsere Probleme.

Neues Handeln setzt Umdenken voraus. Umdenken ist wiederum neues Denken.

 

Wie denkt man neu?

Wir sind keine Kinder mehr, die täglich Neues erfahren und zu denen neu denken zum täglichen Prozess ihrer Entwicklung gehört.

Wir sind Erwachsene, deren Denkmuster größtenteils recht straight gewebt sind: Altbewährtes wird aufrechterhalten.

 

Denkgewohnheiten vs. Anstrengung

Dieses Aufrechterhalten unserer Denkmuster ist geschuldet dem Umstand, dass die Strukturen unseres Denkorgans, namentlich Gehirn, ökonomisch orientiert sind; nicht mehr denken als nötig, denn: Intensives Denken strengt an — das will vermieden werden — und zeigt uns schnell unsre Grenzen auf (das weiß jeder, der schon mal mit glühendem Schädel in Prüfungen saß) — auch das will vermieden werden. Es ist ähnlich dem Kraftakt der Schwäne beim Flugstart aus dem Wasser, oder noch eindringlicher, dem Akt der Beutejagd des Löwen: Nach einer langen Fastenzeit bei Gluthitze in der Savanne der Antilope hinterherzuhetzen, ist für ihn eher der Ausnahmezustand. Nicht ohne Grund pirscht er sich lieber in der Nacht oder am frühen Morgen an den trägen Wasserbüffel heran.

 

Wunderwerk mit Tücken

Obwohl unser Gehirn ein Wunderwerk der Evolution ist, ist es doch begrenzt: Es kann nicht lateral sondern ,nur‘ linear denken — immer nur ein Gedanke nach dem anderen; und es lässt sich megaleicht aus der Bahn werfen: Oft genügt nur ein minimaler Störfaktor und wir sind aus der Konzentration gerissen, das Denken blockiert, der Gedanke verloren.

 

Denken also nicht jedermanns Sache?

Doch, schon. Jeder Mensch denkt. Und jeder Mensch, der denken und nachdenken kann, kann auch umdenken und neudenken. Es geht nicht darum, Einstein’sche Denkgebäude zu konstruieren. Es geht darum, für sich ganz persönlich und individuell neue Denkinhalte zu finden, die letztlich zu neuem Handeln führen, wie es die Situation — jetzt die Corona-Krise — fordert.

 

Das Feuerholz fürs Denken und Handeln

Wir können uns jederzeit (ob mit oder ohne Krise) neue Sachverhalte — dazu gehören auch Denkinhalte von beispielsweise klassischen Philosophen und spirituellen Meistern — aneignen, wenn — und das ist der entscheidende Aspekt — wenn sie uns emotional berühren. Das ist der Grund, warum sich viele Schüler mit vielen Lerninhalten schwertun: es berührt sie nicht wirklich. Umgekehrt wird aus einem 5-er-Schüler ein 1-er-Kandidat. Das geht bis ins hohe Alter, wie uns die Hirnforschung mit dem Begriff der Neuroplastizität eingehend dargelegt hat.

Neu denken und neu handeln setzt also Emotion(en) — Beweggründe voraus. Diese wiederum: Erkenntnis und Einsicht: Wenn ich nicht erkennen kann, weshalb ich etwas tun oder lassen soll, ich also keinen Sinn darin ersehe, ich nicht einsichtig bin, werde ich keine positiven Emotionen dafür generieren; ohne eben diese positiven Beweggründe werde ich keine Anstrengungen unternehmen, mich mit neuem Gedankengut zu befassen, werde nicht neu denken und folglich wird neues Handeln ausbleiben. Ich ändere nichts an meiner Situation, bleibe in ihr stecken und bewege ich mich schlimmstenfalls in einer emotionalen Abwärtsspirale.

 

Spüren = Erkennen

Umgekehrt ist der richtige Weg; ich erkenne den Vorteil von neuem Handeln, ich sehe ein, dass Änderungen in meiner Lebensweise zwar anstrengend(er) sein mögen, aber sie gewinnbringend sind, was meine Lebensqualität angeht: Ich spüre beispielsweise, dass ich mich besser bewegen kann, wenn ich abnehme, oder ich spüre, dass ich innerlich ruhiger werde, wenn ich mal nach draußen gehe, anstatt vor dem Monitor zu sitzen.

 

Umstände fürs Um- und Neudenken schaffen

Die 8 Triaden des Living Do umfassen 24 Aspekte (s. Grafik der Durchlaufbilder oben), die alle mittel- wie unmittelbar zusammenhängen. Was das Thema diese Posts angeht, ist Denken sowohl explizit ein Aspekt der „D“-Triade als auch implizit verbunden mit den Aspekten „Ruhe“, „Konzentration“, „Klarheit“, „Tiefe“, „Orientierung“, etc.

 

Ruhe

Wer sich also der Anstrengung des gezielten Nachdenkens über sich und seine (neue Corona-)Welt stellen will, braucht zu allererst eins: Das Gegenteil von Ablenkung: Ruhe. Er braucht äußere Ruhe, damit er innere Ruhe schaffen kann. Das eine geht nicht ohne das andere. Selbst oder gerade geübte Meditierende machen es nicht anders.

 

Analyse

Hat er die äußere und innere Ruhe für sich gefunden, kann der aktive Denkprozess ins Rollen gebracht werden. Die 3 Anschiebefragen sind:

 

  • Wie ist die momentane Situation?

  • Was macht sie spürbar mit mir?

  • Was muss ich tun, um das zu ändern?

 

Wer diese drei Anschiebefragen für sich eingehend beantworten kann, wird unweigerlich Maßnahmen zur Änderung ergreifen — der Aspekt „Aktion“ wird wirksam. Die Aktion(en) werden bei jedem anders sein, so unterschiedlich wir eben als Individuen sind. Wichtig ist, dass sie, getragen von Erkenntnis und Einsicht, sich auch mit unserem Herzen verbinden.  

 

*Wem die Auswirkungen bereits  Angst machen, hier ein alter Post von 2015: https://livingdo.blogspot.com/2015/

Post 3, 13.04.2020 (Ostermontag), 4. Woche Corona-Ausgangsbeschränkung

Vom Living Do zum ...

Im Netz werden vermehrt Tipps zur mentalen Überwindung der psychologischen Auswirkungen der Corona-Krise empfohlen; Maßnahmen, die längst Aspekte des Living Do sind, besser, immer schon waren.

 

Die Tipps der Psychologen:

 

  • Alltag strukturieren

Living Do: Orientieren – Optimieren – Organisieren

  • Körperliche Bewegung

Living Do: Atmung – Ausdruck – Aktion

  • Meditation

Living Do: Ruhe – Rhythmus – Reduktion

  • Medien Detox

Living Do: Achtsamkeit – Ausgleich – Ausdauer

 

Credo eines Samurai

Wer von den Living Dojin meine spirituelle Entwicklung verfolgt hat, weiß, dass ich mich von den Samurai schon seit Jahren abgewandt habe — „Von etwas abwenden kann man sich erst, nachdem man sich ihm zuvor zugewandt hat“ —, diese Abwendung habe ich gründlich in „Jiu-Jitsu leben“ kommentiert.

Dennoch möchte ich — gerade in Bezug zur momentanen Corona-Situation als Ausnahmezustand — einen Text abbilden, den ich vor über 20 Jahren in die Hände bekam und in „Arashi-Power“ 2001 veröffentlichte: „Credo eines Samurai aus dem 14. Jahrhundert“. Ob der Text authentisch ist, kann ich nicht beurteilen; eine Quelle kann ich nicht vorweisen.

 

Ausnahme-Mindset

Zweifelsohne scheint dieses Credo als eine Auflistung von Negationen eine Idealisierung menschlicher Anpassungsfähigkeit, geschuldet der speziellen, auf den Tod hin konditionierten Samuraigesinnung. Doch soll sie in ihrer extremen, für unser Empfinden schwer zugänglichen Allegorisierung nicht minder zum Nachdenken und Nachspüren anregen, inwieweit man sich selbst erkennen kann in diesem Credo als einem Ausnahme-Mindset, das sich jeder Situation anzugleichen vermag, wie es letztlich auch der Zielsetzung des Living Do entspricht.

 

 

Ich habe kein Schwert.

Ich mache Selbstlosigkeit zu meinem Schwert.

Ich habe keine Waffen.

Ich mache Wohlwollen und Aufrichtigkeit zu meinen Waffen. 

Ich habe kein Heim.

Ich mache Wachsamkeit zu meinem Heim.

Ich habe keine Burg.

Ich mache Standhafter Geist zu meiner Burg.

Ich bin ohne Unterhalt.

Ich mache Verständnis zu meinem Unterhalt.

Ich habe keine Eltern.

Ich mache Himmel und Erde zu meinen Eltern.

Ich habe keine Freunde.

Ich mache meinen Geist zu meinem Freund.

Ich habe keine Feinde.

Ich mache Achtlosigkeit zu meinem Feind.

Ich habe keine Prinzipien.

Ich mache Sich an alle Umstände anpassen zu meinen Prinzipien.

Ich habe keinen Plan.

Ich mache Die Gelegenheit beim Schopf ergreifen zu meinem Plan.

Ich habe keine Taktik.

Ich mache Leere und Fülle zu meiner Taktik.

Ich habe keine Strategie.

Ich mache Unbeschattet von Gedanken zu meiner Strategie.

Ich habe keine Talente.

Ich mache humorvolle Heiterkeit zu meinem Talent.

Ich habe keine Wunder.

Ich mache Das Richtige tun zu meinen Wundern.

Ich habe keine göttliche Kraft.

Ich mache Aufrichtigkeit zu meiner göttlichen Kraft.

Ich habe keine magischen Geheimnisse.

Ich mache meinen Charakter zu meinem magischen Geheimnis.

Ich bin ohne Körper.

Ich mache Ausdauer zu meinem Körper.

Ich bin ohne Augen.

Ich mache den Blitz zu meinen Augen. 

Ich bin ohne Ohren.

Ich mache Feinfühligkeit zu meinen Ohren.

Ich bin ohne Glieder.

Ich mache Pünktlichkeit zu meinen Gliedern.

Ich habe kein Leben und keinen Tod.

Ich mache das Auf und Ab des Atems zu meinem Leben und Tod.

 

 

Wer das Credo liest, mag beeindruckt sein von der poetischen Kraft der aufgeführten Aspekte, bis motiviert zur elementaren Frage, ob dieses überhaupt gelebt werden kann.

 

Wer, anstatt sich von diesem heroischen Pathos beeindrucken oder auch abschrecken zu lassen, erkannt hat, dass jede der aufgeführten Antworten auf die 21 Negierungen  — „Ich habe keine …“ — durch einen einzigen immer gleichen Aspekt, den Aspekt schlechthin, ausgetauscht werden kann, weil er, ganzheitlich gelebt, alle anderen mit  einschließt  —„Ich mache L… zu …“* — ist auf dem richtigen Weg.

 

Dieser richtige Weg, den die großen spirituellen Meister, und deren Multiplikatoren, uns immer wieder angehalten haben, zu gehen, ist der auf lange Sicht und bezogen auf alle Dimensionen des Lebens, der einzig wahre. Und, so lehrt uns das tägliche Leben, auch der schwerste.

Es ist der Weg der persönlichen Transformation eines jeden Living Dojin vom Living Do zum Loving Do zum Loving Dojin.

*Wer den Aspekt nicht herausgefunden hat: "Ich mache Liebe zu ...

Post 4, 25.04.2020, 6. Woche Corona-Ausgangsbeschränkung

Schmetterlingsentdecker

Herzöffner

Eine gute Achtsamkeitsübung und ein Herzöffner — gerade in der immer noch bestehenden Ausgangsbeschränkung — ist es auf Schmetterlingsentdeckung zu gehen.

Allzu viele Schmetterlinge, im Gegensatz zu den Bienen, Hummeln oder zu den Vögeln, sieht man leider nicht herumflattern; doch wenn du deine Augen für die Schmetterlinge öffnest, wird sich mancher zeigen — ich habe dieses Frühjahr schon einige gesehen: meist waren es Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und verschiedene Weißlinge.

Von Kleinigkeiten zu Großigkeiten

Das gleiche gilt natürlich für alle Naturerscheinungen, die uns unsere Sinne offenbaren. Wenn du zum Beispiel etwas für deinen Geruchssinn tun willst, bleibe mal bei einem Flieder stehen und rieche mit geschlossenen Augen …

Diese „Kleinigkeiten“ können dein Leben bereichern und zu "Großigkeiten" werden — so hast du schon mehr für deine spirituelle Entwicklung als Living Dojin getan als du gedacht hast.

Probier's aus. Es lohnt sich (-:

Post 5, 01.05.2020, 7. Woche Corona-Ausgangsbeschränkung

Regenriecher

Rain.jpg

Vorab:

Aus dem Physikunterricht wissen wir: Regentropfen binden Staub und Aerosole, die in die Atmosphäre aufgestiegen sind. Diese Bestandteile bestimmen den pH-Wert des Regens. Im Zuge des sauren Regens mögen die K- und die G-Übung, die ich vorschlage, für sehr sensitive Menschen zweifelhaft bis obsolet erscheinen. Das gilt dann im Übrigen irgendwann auch für alle anderen Übungen, die dem spirituellen Ideal des Living Do entsprechen — wenn es keinen Flieder mehr gibt und wir auch die letzten Schmetterlinge dahingerafft haben …

Hier gehe ich von einem ,normalen‘, verträglichen Regen aus.

 

„Hurra, es regnet!“

Nach langen, trockenen Wochen, endlich: Regen.

Das ist eine gute Gelegenheit für dich als Living Dojin deine Achtsamkeit zu trainieren. Achtsamkeit ist der erste Aspekt der zweiten Triade.

Während beim „Schmetterlingsentdecker“ (voriger Post) angehängten Schnupperkurs, der Flieder mit seinem starken Duft ein Übriges tut, um dich auf deinen Geruchssinn zu konzentrieren und dort etwas zu verweilen (es sei denn es flasht dich von diesem Süßgeruch um), bietet der Regen etwas für alle Sinne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VAKOG

Die fünf Hauptsinne kannst du dir gut mit der Formel VAKOG merken. Dabei steht

V für den Sehsinn (visuell)

A für den Hörsinn (auditiv)

K im erweiterten Sinn für den Lage-, Kraft- und Bewegungssinn (kinästhetisch), aber auch für den Tast- und „Fühlsinn“ (haptisch und taktil)

O für den Geruchssinn (olfaktorisch)

G für den Geschmackssinn (gustatorisch).  

Je nachdem, wo du gerade örtlich bist und wie weit du deine Achtsamkeit schulen möchtest, kannst du dir einen der Sinneskanäle aussuchen und bei diesem bleiben oder aber von einem Sinneskanal zu nächsten wechseln. Dabei kannst du die durch VAKOG vorgegebene Reihenfolge anwenden:

 

V = Was sehe ich?

Beobachte den Regen. Die Tropfen. Versuche ihren Weg zu verfolgen. Lass das Gesamtbild auf dich wirken. Bis du gerade geschützt am Waldrand und kannst von dort auf weite Wiesen schauen? Oder auf deinem Zimmer in der Stadt und siehst wie einzelne Tropfen in die Pfützen schießen, von Regenrinnen fließen oder an deinem Fenster ein Muster zeichnen.

 

A = Was höre ich?

Schließe die Augen und konzentriere dich auf das Geräusch des Regens. Ist es gleichbleibend oder verändert es sich? Mischen sich andere Geräusche darunter? Vogelgezwitscher? Stimmen? Motorenlärm? Die Tram?

 

K = Was spüre ich?

Bin ich geschützt, werde ich die unmittelbaren Auswirkungen des Regens nicht spüren, allenfalls Wind im Gesicht, wenn dieser mit dem Regen einhergeht. Warst du am Baggersee schwimmen und der Regen kam überraschend, kannst du ihn in vollen Zügen, mit Haut und Haar, spüren — ich bin im März von der Wertach im strömenden Regen eine Stunde zu Fuß nach Hause gegangen; nasser als nass konnte ich nicht mehr werden. Diesen Umstand habe ich für weitere Achtsamkeitsübungen genutzt:

„Was macht der Regen mit mir?“ „Was denke ich?“ „Was fühle ich?“

 

O = Was rieche ich?

Im Gegensatz zum Flieder riecht der Regen wohl neutral, oder? Vielleicht gehörst du zu den Menschen mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn und kannst eine ganz spezifische Duftnote erkennen (da denke ich ganz spontan an Patrick Süskins „Das Parfum“). Gerade hier beim „O“ solltest du etwas intensiver verweilen. Nimm tiefe Atemzüge und lasse dich voll auf die Übung ein; vielleicht wirst du zum Profi-Regenriecher!? (-:

 

G = Was schmecke ich?

Das wiederum geht auch nur, wenn du die Gelegenheit hast, ihn zu schmecken — die Baggersee-Situation ist dazu natürlich optimal. Nimm den Kopf in den Nacken, öffne weit den Mund und lass dir die Tropfen auf die Zunge regnen und konzentriere dich auf den Geschmack.

 

Führe alle Übungen nach der ersten mit geschlossenen Augen durch.

Die ganze Übung — wie die einzelnen Übungen — dauert so lange wie du kannst und willst, beziehungsweise so lange wie der Regen mitmacht.

 

In diesem Sinne: Let the rain go down on you … (-:

 

Und hier noch ein passender Music-Clip dazu von 

Simply Three: "Rain"

Klick das Bild.